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Blick ins Ausland: Während Europa das Rentenalter erhöht, blendet die Schweiz die Realität aus

Steigende Lebenserwartungen und sinkende Geburtenzahlen zwingen ganz Europa zum Handeln. Doch während die Nachbarländer das Rentenalter anheben oder an die Lebenserwartung koppeln, verharrt die Schweiz im Stillstand und schiebt das demografische Problem vor sich her.

Die Finanzierung der Altersvorsorge steht europaweit unter massivem Druck. Immer mehr Regierungen passen das Erwerbsalter der steigenden Lebenserwartung an, um ihre Vorsorgesysteme vor dem Kollaps zu bewahren. Nur in der Schweiz wird die demografische Realität politisch weitgehend ignoriert.

Europa setzt auf automatische Anpassung und höheres Rentenalter
Der Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt, dass die schrittweise Anhebung des Rentenalters längst zum internationalen Standard geworden ist:

  • Schweden: Das schwedische System passt das Rentenalter flexibel an die steigende Lebenserwartung an. Nach der Erhöhung des frühestmöglichen Eintrittsalters auf 63 Jahre (2023) gilt für 2026 ein Richtalter von 67 Jahren. Die Reform basiert auf einem parteiübergreifenden Kompromiss unter massgeblicher Beteiligung der Sozialdemokraten (Socialdemokraterna).
  • Dänemark: Mit einer direkten Kopplung an die Lebenserwartung hat Dänemark das höchste Rentenalter Europas: Von 67 Jahren steigt die Grenze bis 2030 auf 68 und bis 2040 schrittweise auf 70 Jahre. Dieses «Wohlfahrtsabkommen» verabschiedeten die Sozialdemokraten (Socialdemokratiet) mit und setzen es unter der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen konsequent um.
  • Italien: Die Fornero-Reform (nach der damaligen Arbeitsministerin Elsa Fornero)  passt das Renteneintrittsalter automatisch an die Lebenserwartung an. Nach einer pandemiebedingten Stagnation (2025/2026) greifen die nächsten Erhöhungen ab 2027/2028. Verabschiedet unter der Expertenregierung Monti, erhielt die Reform im Parlament auch die Unterstützung der Mitte-links-Partei Partito Democratico.
  • Deutschland: Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD beschloss die stufenweise Anhebung auf Rentenalter 67. Aktuell plant die Koalition unter Mitwirkung der regierenden Sozialdemokraten eine direkte Kopplung an die Lebenserwartung sowie das Aus für die verfrühte «Rente mit 63».
  • Grossbritannien: Das Renteneintrittsalter liegt aktuell bei 66 Jahren und steigt per Gesetz bis 2028 auf 67 sowie bis 2046 auf 68 Jahre.
  • Belgien: Anfang 2025 stieg das Rentenalter von 65 auf 66 Jahre, bis 2030 folgt die Anhebung auf 67 Jahre. Diese Schritte wurden von Koalitionsregierungen beschlossen, an denen die (flämische) sozialistische Partei Vooruit direkt beteiligt war.

Schweiz verweigert den Blick auf die Demografie
In vielen Ländern wagen ausländische Regierungen den Vorstoss bei diesem unbequemen Thema. Bemerkenswert ist vor allem der Blick auf die Parteienlandschaft: In nahezu allen genannten Beispielen waren sozialdemokratische Parteien direkt an den Reformen beteiligt oder haben diese als Regierungsparteien durchgesetzt. Sie haben erkannt, dass ein stabiles Rentensystem ohne Anpassung an die steigende Lebenserwartung langfristig nicht finanzierbar ist.

In der Schweiz hingegen verschliessen nicht nur die linken Parteien und Gewerkschaften vor dieser mathematischen Realität konsequent die Augen. Anstatt die Finanzierungslücke der AHV nachhaltig zu sichern, traut sich kaum eine politische Partei an eine Erhöhung des Rentenalters heran. Statt struktureller Reformen verharrt man in einer mutlosen Pflästerli-Politik – und wälzt die Zeche über immer höhere Steuern und Abgaben auf die jüngeren Generationen ab.

Europas Sozialdemokraten erhöhen das Rentenalter