Mit seinem Entscheid zur Finanzierung der 13. AHV-Rente greift der Ständerat frontal die arbeitende Bevölkerung an. Höhere Lohnabgaben treffen ausgerechnet jene, die bereits heute steigende Kosten schultern, und verschärfen den Generationenkonflikt. Statt die strukturellen Probleme der AHV anzugehen, wird einmal mehr zur einfachsten Lösung gegriffen: mehr Geld von den Erwerbstätigen.
Der Thinktank Avenir Suisse kritisiert, dass Lohnbeiträge zur Finanzierung sozialpolitischer Vorhaben in der Schweiz leichter erhöht werden können als Steuern. Das schaffe politische Fehlanreize und belaste Erwerbstätige zunehmend. In einer neuen Analyse fordert der Thinktank deshalb eine «Lohnprozentbremse» in der Bundesverfassung.
Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats will die 13. AHV-Rente künftig über zusätzliche Lohnabgaben und eine höhere Mehrwertsteuer finanzieren. Damit verteuert sie die Arbeit in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit und belastet direkt jene, die dieses Land tragen. Höhere Lohnbeiträge greifen spürbar ins Portemonnaie der Erwerbstätigen und schwächen die Kaufkraft. Eine solche Finanzierung ist kein verantwortungsvoller Weg. Sie untergräbt jene wirtschaftliche Stärke, auf der unsere Sozialwerke überhaupt beruhen.
Eine neue Studie von BSS Volkswirtschaftliche Beratung zeigt klar: Höhere Lohnabzüge sind keine nachhaltige Antwort, denn sie belasten die Erwerbsarbeit einseitig und schwächen Arbeitsmarkt, Standort und die Solidarität zwischen den Generationen. Das ist besonders relevant, weil die Schweiz gleichzeitig vor zwei grossen Weichenstellungen steht: Die anstehende AHV-Reform sowie die weiterhin ungeklärte Finanzierung der 13. AHV Rente.
Neujahrsvorsätze drehen sich oft um persönliche Ziele. Das Jahr 2026 zwingt Politik und Gesellschaft jedoch dazu, sich mit einem gemeinsamen Vorsatz auseinanderzusetzen: der Sicherung unserer Altersvorsorge. Denn bereits in diesem Jahr fällt das Umlageverfahren der AHV in ein Defizit. Mehrere Vorlagen zur AHV und zur Finanzierung der Sozialwerke treffen in diesem Jahr aufeinander. Sie zeigen, wie gross der Reformbedarf ist – und wie schwierig nachhaltige Lösungen bleiben.
Im «Tages-Anzeiger» wird der Untergang der Generation X herbeigeschrieben. Ältere Menschen hätten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr, denn die Wirtschaft wolle sie nicht, deshalb sei die Rente in Gefahr. Doch ein Blick in die offiziellen Statistiken zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. Noch nie waren ältere Arbeitnehmende so gut in den Arbeitsmarkt integriert wie heute.
Wer wissen will, wie es um die AHV steht, muss nur ins UBS Sorgenbarometer schauen: Seit Jahren gehört die Altersvorsorge zu den grössten Sorgen der Bevölkerung, mitten zwischen steigenden Krankenkassenprämien und immer teureren Mieten. Der Handlungsauftrag ist klar: Jetzt braucht es Lösungen, die Generationen verbinden – nicht belasten.
Im Gastkommentar in der NZZ zeigt SAV-Präsident Severin Moser klar auf: Wer die AHV stärken will, darf sich nicht mit immer neuen Steuern und Abgaben zufriedengeben. Er ist bereit, eine Finanzierung der 13. AHV-Rente über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer mitzutragen – aber nur befristet und ausdrücklich nur bis zur anstehenden AHV-Reform, wie es der Nationalrat vorschlägt. Die 13. Rente soll also übergangsweise gesichert werden, ohne die langfristige Reformdiskussion vorwegzunehmen.