Eine neue Studie von BSS Volkswirtschaftliche Beratung zeigt klar: Höhere Lohnabzüge sind keine nachhaltige Antwort, denn sie belasten die Erwerbsarbeit einseitig und schwächen Arbeitsmarkt, Standort und die Solidarität zwischen den Generationen. Das ist besonders relevant, weil die Schweiz gleichzeitig vor zwei grossen Weichenstellungen steht: Die anstehende AHV-Reform sowie die weiterhin ungeklärte Finanzierung der 13. AHV Rente.
Neujahrsvorsätze drehen sich oft um persönliche Ziele. Das Jahr 2026 zwingt Politik und Gesellschaft jedoch dazu, sich mit einem gemeinsamen Vorsatz auseinanderzusetzen: der Sicherung unserer Altersvorsorge. Denn bereits in diesem Jahr fällt das Umlageverfahren der AHV in ein Defizit. Mehrere Vorlagen zur AHV und zur Finanzierung der Sozialwerke treffen in diesem Jahr aufeinander. Sie zeigen, wie gross der Reformbedarf ist – und wie schwierig nachhaltige Lösungen bleiben.
Im «Tages-Anzeiger» wird der Untergang der Generation X herbeigeschrieben. Ältere Menschen hätten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr, denn die Wirtschaft wolle sie nicht, deshalb sei die Rente in Gefahr. Doch ein Blick in die offiziellen Statistiken zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. Noch nie waren ältere Arbeitnehmende so gut in den Arbeitsmarkt integriert wie heute.
Wer wissen will, wie es um die AHV steht, muss nur ins UBS Sorgenbarometer schauen: Seit Jahren gehört die Altersvorsorge zu den grössten Sorgen der Bevölkerung, mitten zwischen steigenden Krankenkassenprämien und immer teureren Mieten. Der Handlungsauftrag ist klar: Jetzt braucht es Lösungen, die Generationen verbinden – nicht belasten.
Im Gastkommentar in der NZZ zeigt SAV-Präsident Severin Moser klar auf: Wer die AHV stärken will, darf sich nicht mit immer neuen Steuern und Abgaben zufriedengeben. Er ist bereit, eine Finanzierung der 13. AHV-Rente über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer mitzutragen – aber nur befristet und ausdrücklich nur bis zur anstehenden AHV-Reform, wie es der Nationalrat vorschlägt. Die 13. Rente soll also übergangsweise gesichert werden, ohne die langfristige Reformdiskussion vorwegzunehmen.
Der Blick feiert die Vorschläge von Bundesrätin Baume-Schneider als Ausweg aus dem «AHV-Chaos». Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Chaos ist hausgemacht. Erstens haben die Gewerkschaften eine 13. AHV-Rente lanciert, ohne die Finanzierung zu klären. Zweitens verweigert die zuständige Bundesrätin jede strukturelle Reform, obwohl die finanziellen Probleme seit Jahren absehbar sind. Drittens sperrt sie sich gegen eine unabhängige Expertenkommission zur AHV, wie von der Politik gefordert wird.
Die AHV hat grossen Reformbedarf. Doch anstatt strukturelle Lösungen anzupacken, setzen viele aktuelle Vorlagen auf höhere Lohnbeiträge – ein Ansatz, der erhebliche Risiken für die Wirtschaft birgt. Nationalrätin Diana Gutjahr fordert vom Bundesrat nun Klarheit über die volkswirtschaftlichen Folgen.
Der Ständerat hatte die Finanzierung der 13. AHV-Rente zu einer massiven Ausbauvorlage aufgebläht. Der Nationalrat stoppte diesen unverantwortlichen Kurs und korrigierte die Vorlage deutlich. Nur eine Schuldenbremse fand noch keine Mehrheit – eine generationengerechte AHV-Reform muss rasch folgen.